Das beschauliche
Winzerdorf Hagnau liegt eingebettet in sanfte Rebhänge an der Sonnenseite des Bodensees.

Das kleine Dorf mit seinen rund 1.500 Einwohnern lebt von den traditionellen Standbeinen des Wein- und Obstbaus sowie der Fischerei(7 Fischerfamilien). Aber auch der Fremdenverkehr ist als Wirtschaftsfaktor für das Dorf von großer Bedeutung. Rund 20.000 Feriengäste verweilen jedes Jahr von März bis Oktober in Hagnau.
Begehrt war das Dorf Hagnau bereits in früheren Jahrhunderten aufgrund seiner zentralen Lage am Bodensee und vor allem aufgrund der fruchtbaren Böden. So wundert es nicht, daß Hagnau immer wieder in anderen Besitzverhältnissen war. Im
Jahre 1010 erstmals erwähnt, war das Dorf zunächst im Besitz der Schenken von Ittendorf, dann wechselte das Dorf über zum Kloster Weingarten um kurz darauf für über 200 Jahre in den Besitz der freien Reichsstadt Überlingen zu kommen. Von 1693 an gehörte Hagnau wieder rund 110 Jahre zur Benediktiner-Abtei Weingarten, die den bedeutendsten Bau Hagnaus, die
Weingartensche Hofmeisterei errichtete, wo heute noch der Winzerverein Hagnau seinen Holzfasskeller hat. Es sind in Hagnau noch sechs ehemalige Amtshäuser von Klöstern der Bodenseegegend zu finden, die durch Eintreibung des Zehnten ihre Keller mit gutem Hagnauer Wein füllten.
So gut es den Hagnauer Winzern unter den Klosterherren ging, von denen Sie als Lohn für ihre Arbeit die Hälfte des Weinertrages bekamen und einen Acker, auf dem sie Kartoffeln und Gemüse zur Selbstversorgung anbauen konnten, so schwierig wurde die Zeit nach der Säkularisation Anfang des
19. Jahrhunderts.

Die hohen Kosten der Rebanlagen mußten nun von den Winzern selbst getragen werden. Das Herbstgeld wurde so schnell, durch die Pacht an die Domänenverwaltung und die Zinsen für die im Laufe des Jahres angefallenen Schulden aufgezehrt. Die Weinhändler nutzten die Notsituation und Uneinigkeit der Hagnauer Winzer weidlich aus, indem sie immer neue Tiefstpreise für den Wein erpressten.
Der
Schriftsteller und Bürgerrechtler Dr. Heinrich Hansjakob, seit 1869 Pfarrer in Hagnau, erkannte die wirtschaftliche Notlage der Hagnauer und versuchte ihr durch einen Zusammenschluß der Winzer zu begegnen. Im Oktober des Jahres 1881, als der Weinpreis bis auf 15 Pfennig je Liter sank und sich die Winzer gezwungen sahen, zu diesem Spottpreis zu verkaufen, rief Heinrich Hansjakob die Hagnauer Bürger zur Gründung eines Winzervereins auf.
So entstand am 20. Oktober 1881 der erste badische Winzerverein in Hagnau am Bodensee.